Blendenstern (Sonnenstern) – Entstehung, Technik & Praxis-Tipps

Inhalt
- Was ist ein Blendenstern?
- Wie entsteht ein Blendenstern?
- Wie viele Strahlen? – Rolle der Blendenlamellen
- Einstellungen: Welche Blende & wann?
- Geeignete Motive: Sonne, Laternen, Reflexe
- Objektive & Blendenformen
- Praxis: Blendenstern gezielt erzeugen – Schritt für Schritt
- Blendenstern vermeiden
- Häufige Fehler & schnelle Fixes
- FAQ
Was ist ein Blendenstern?
Der Blendenstern ist ein optischer Effekt, bei dem helle Punkte sternförmige Strahlen zeigen. Er tritt sichtbar auf, wenn die Blende deutlich geschlossen ist und die Lichtquelle klein im Bild abgebildet wird (Sonne an einer Kante, Straßenlaternen, glänzende Reflexe auf Wasser/Metall).
Wie entsteht ein Blendenstern?
Physikalische Ursache ist die Beugung des Lichts an der polygonalen Blendenöffnung. Je geschlossener die Blende (hoher f-Wert), desto kleiner die Öffnung und desto stärker die Beugung – die Energie verteilt sich in charakteristische Beugungsspitzen entlang der Kanten der Blendenlamellen. Diese Spitzen nimmst du als Strahlen wahr.
Exkurs: Die Größe des Beugungsscheibchens (Airy-Disk) wächst ungefähr proportional zum Blendenwert (d ≈ 2,44 · λ · N). Bei sehr kleinen Blenden (z. B. f/22) werden zwar die Sternstrahlen stark, die Gesamtschärfe kann aber durch Beugungsunschärfe etwas abnehmen.
Wie viele Strahlen hat ein Blendenstern?
Die Anzahl der Strahlen hängt von der Anzahl und Form der Blendenlamellen ab:
| Lamellen | Form | Typische Strahlenzahl | Notiz |
|---|---|---|---|
| Gerade, ungerade Anzahl (z. B. 7, 9, 11) | Polygon | 2× Lamellenzahl (z. B. 14, 18, 22) | Gegenüberliegende Kanten fallen nicht zusammen → doppelte Strahlen |
| Gerade Lamellen (z. B. 6, 8, 10) | Polygon | Lamellenzahl (z. B. 6, 8, 10) | Gegenüberliegende Kanten überlagern sich → halb so viele Strahlen |
| Stark abgerundete Lamellen | Nahezu kreisförmig | Oft weich/wenige sichtbare Strahlen | Rundungen schwächen die Kantenbeugung |
Welche Blende & wann? – Empfehlungen
| Blendenwert | Erwartung | Hinweis |
|---|---|---|
| f/4 – f/5.6 | Kaum/keine Sternbildung | Gut, wenn du den Effekt vermeiden willst |
| f/8 – f/11 | Deutlich sichtbare Sterne | Oft der beste Kompromiss aus Schärfe & Sternwirkung |
| f/16 – f/22 | Sehr starke Sterne | Achtung Beugungsunschärfe; bewusst einsetzen |
Tipp: Der Effekt verstärkt sich, wenn die Lichtquelle klein abgebildet wird – z. B. die Sonne knapp hinter einer Kante (Baum, Haus, Berg). Das reduziert zugleich Flares.
Geeignete Motive: Sonne, Laternen, Reflexe
- Sonne: Besonders schön beim „Anritzen“ an einer Kante (Rand einer Wolke, Baumast, Gebäude, Gipfel).
- Nacht: Straßenlaternen, Weihnachtsbeleuchtung, Lichterketten – viele kleine Punktquellen ergeben stimmige Sterne.
- Reflexe: Glitzerndes Wasser, nasse Steine, Metallkanten – kleine Spiegelungen erzeugen Mini-Sterne.
Objektive & Blendenformen: Warum manche Linsen „schönere“ Sterne machen
- Gerade Lamellen → harte, klare Sterne. Viele Reportage- und ältere Festbrennweiten liefern markante Sonnensterne.
- Abgerundete Lamellen → weiche Sterne (Bokeh-optimiert). Moderne Zooms setzen oft darauf.
- Lamellenzahl bestimmt die Strahlenzahl (siehe Tabelle). 9 Lamellen → 18 Strahlen; 10 Lamellen → 10 Strahlen.
- Vergütung & Linsendesign beeinflussen Lens Flares (bunte Flecken) – das ist ein separater, nicht identischer Effekt.
Blendenstern gezielt erzeugen – Schritt für Schritt
- Motiv wählen: Punktquelle (Laterne) oder die Sonne knapp hinter einer Kante positionieren.
- Blende schließen: Starte bei f/11, steigere auf f/16/f/18, vergleiche Ergebnis & Schärfe.
- ISO & Zeit anpassen: ISO möglichst niedrig (100–200), Zeit nach Histogramm/ETTR wählen; ggf. ND-Filter nutzen.
- Gegenlichtblende & saubere Frontlinse: Flares minimieren, Kontrast hoch halten.
- Belichtungsreihe: Ein Frame auf Sterne belichtet (Highlights), ein Frame auf Schatten – später zusammenführen.
- Sicherheit: Gegen die Sonne mit Live-View/EVF arbeiten; nie längere Zeit direkt durch einen optischen Sucher in die Sonne schauen.
Blendenstern vermeiden
- Offene Blende (f/2.8 – f/5.6),
- Objektiv mit abgerundeten Lamellen verwenden,
- Lichtquelle vergrößern/entfernen (nicht punktförmig abbilden),
- Position ändern, sodass die Quelle nicht direkt ins Objektiv strahlt.
Häufige Fehler & schnelle Fixes
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Stern „matschig“ | Zu stark abgerundete Lamellen; Fokus/Beugung | Andere Blende (f/11–f/16), Fokus prüfen, ggf. anderes Objektiv |
| Störende Flares | Schmutzige Frontlinse; Sonne voll im Bild | Linse reinigen, Kanten-Trick nutzen, minimalen Winkel ändern |
| Bild insgesamt weicher | Beugung bei f/22 | Ein bis zwei Stufen öffnen (f/11–f/16) |
| Ausgefressene Spitzen | Überbelichtung der Highlights | Belichtung nach Histogramm; ggf. Belichtungsreihe |
FAQ: Blendenstern
Entsteht ein Blendenstern nur an der Sonne?
Nein. Jede kleine, sehr helle Lichtquelle kann Sterne erzeugen: Laternen, Autolichter, Reflexe auf Wasser oder Metall – besonders bei geschlossener Blende.
Welche Blende ist „ideal“?
Häufig liefern f/11 bis f/16 den besten Kompromiss aus klaren Sternen und noch hoher Gesamtschärfe. Probiere mehrere Stufen, da Objektive unterschiedlich reagieren.
Warum habe ich 18 Strahlen?
Vermutlich besitzt dein Objektiv 9 gerade Lamellen (ungerade Anzahl) – bei ungeraden Lamellenzahlen erscheinen 2× so viele Strahlen wie Lamellen vorhanden sind.
Ist ein Sternfilter (Kreuzfilter) das Gleiche?
Nein. Sternfilter sind Glasfilter mit Gitternetz – sie erzeugen künstliche, gleichförmige Kreuzsterne. Der Blendenstern entsteht optisch durch Beugung an der Blende und wirkt natürlicher.
Geschlossene Blende, kleine Lichtquelle und die richtige Kante – so gelingen markante Blendensterne. Für maximale Schärfe nicht übertreiben (oft f/11–f/16).

Hallo, ich bin Ralf Hofstede und ich bin Experte für Fotografie. Begonnen habe ich mit der Fotografie noch in der analogen Zeit mit den 36er Filmrollen und mich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.
Mein Herz schlägt dabei besonders für die Landschafts- und Städtefotografie. Mein zweites Steckenpferd ist die Foodfotografie, welche ich für mein zweites Projekt, einem Grillmagazin benötige.
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